Die Methodenkategorien der ICH Q2(R1)

Geschrieben von Anindya Ghosh Roy am . Veröffentlicht in Methodenvalidierung

Die ICH Q2(R1) Richtlinie "Validierung analytischer Verfahren: Text und Methodik" ist die wichtigste Leitlinie für die analytische Methodenvalidierung. Jede Methode, die für die Freigabe- oder Stabilitätsprüfung von Arzneimitteln in einem Qualitätskontrolllabor eines pharmazeutischen Unternehmens verwendet wird, muss validiert oder im Falle von Arzneibuchmethoden verifiziert werden, bevor sie für die Routineanalyse verwendet werden darf. Validierung und Verifizierung sind der Nachweis dafür, dass die Methode für den vorgesehenen Einsatzzweck geeignet ist. Für die Methoden, die in keiner Pharmakopöe erwähnt sind, gibt die ICH-Richtlinie Auskunft über die für die Validierung anzuwendenden Parameter, die sich je nach Typ der Methode unterscheiden können. Daher werden die analytischen Methoden in 3 Haupttypen eingeteilt:

 

1. Identifizierungsmethoden

Wie der Name schon sagt, werden Identifizierungstests durchgeführt, um die Identität eines Analyten in einer gegebenen Probe zu charakterisieren. Es ist eine behördliche Anforderung nachzuweisen, dass in dem Arzneimittel, das Sie verkaufen wollen, auch tatsächlich der Wirkstoff drin ist, dessen Funktion die Heilung ausüben soll. Dies wird oft dadurch erreicht, dass die Eigenschaft eines Analyten mit der eines Referenzstandards verglichen wird. Für Identifizierungstests ist die Spezifität (manchmal auch als "Selektivität" bezeichnet, obwohl sie anders definiert ist, siehe unser Blogartikel zu diesem Thema) wichtig. Der Parameter "Spezifität" erfordert im Wesentlichen von der Methode, den interessierenden Analyten von strukturell ähnlichen Molekülen unterscheiden zu können.

Ein Beispiel für eine Identifizierungsmethode ist eine kapillarisoelektrische Fokussierung (cIEF) zur Identifizierung einer bekannten monoklonalen Antikörper-Ladungsvariante in einem Pool anderer Ladungsvarianten. Andere Beispiele sind z.B. Peptid-Mapping, bei welchem Sie ein spezifisches Spaltungsmuster erhalten, das nur zu zu Ihrem interessierenden Protein passt oder ein mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommener Western-Blot, bei dem spezifische Antikörper verwendet werden, die nur in der Lage sind, an das Zielprotein zu binden.

 

2. Methoden zur Bestimmung von Verunreinigungen (Reinheitstests)

Die Methoden zur Bestimmung von Verunreinigungen werden durchgeführt, um das Reinheitsprofil der Probe genau zu definieren und damit zu zeigen, dass alle im Medikament vorkommenden Verunreinigungen unterhalb akzeptabler Grenzwerte liegen. Also als Beweis der Unbedenklichkeit für den Patienten. Alle Medikamente müssen so sicher im Sinne von „sauber“ wie möglich sein. Gemäß den Anforderungen kann das dafür einzusetzende Verfahren entweder eine quantitative Methode oder ein Limit-Grenztest sein. In beiden Fällen sollte es die Reinheit des Analyten in der Probe widerspiegeln. Für quantitative Tests sind mehr Validierungsparameter erforderlich als für Limit-Tests. Wenn Sie eine quantitative Methode anwenden, erhalten Sie ein Ergebnis mit einem "echtem" Wert und Sie wissen genau, welche Menge des untersuchten Stoffes sich in der Probe befindet (wie in diesem Beispiel). Wenn Sie einen Limit-Test anwenden, erhalten Sie nur ein qualitatives Ergebnis wie "Nichts ist zu sehen", falls die Konzentration der Verunreinigung noch unter dem Grenzwert liegt oder "Etwas ist drin" bei einer Konzentration über dem Grenzwert, aber Sie kennen die genaue Menge nicht. Kolori- / photometrische Methoden, bei der es nach Überschreiten eines Grenzwerts zu einem Farbumschlag kommt, sind Beispiele für Limit-Tests. Ein anderes Beispiel ist die in dieser Publikation beschriebene eine HPLC/MS-Methode zum Nachweis toxischer Verbindungen in der Probe.

 

3. Assays

Assays werden üblicherweise zur Quantifizierung des Analyten in einer Probe durchgeführt. Sie adressieren entweder den Gehalt (content) des Analyten oder dessen Wirksamkeit / Aktivität (potency). Für beide Aspekte fordern die Behörden entsprechende Methoden. Dies liegt an der Tatsache, dass nachgewiesen werden muss, dass einerseits die angegebene Menge des Wirkstoffs tatsächlich im Medikament vorliegt und dass andererseits dieser auch wirklich "aktiv" ist. Mit anderen Worten, Assays messen entweder, wie viel des Analyten (also des Wirkstoffs) in der Probe vorhanden ist, oder überprüfen seine Wirksamkeit.

So sind z.B. eine photometrische Methode zur Bestimmung von Fluvastatin-Natrium oder eine Dünnschichtchromatografie-Methode zur Bestimmung von Clobetasolpropionat in topischen Lösungen Bespiele für Gehaltsbestimmungen. Im Falle von Arzneimitteln auf Proteinbasis wird der Gehalt oft durch eine einfache UV280 Messung bestimmt. Ein Verfahren, das die Aktivität eines Enzyms wie beispielsweise des Gewebeplasminogenaktivators (tPA) mittels Clot-Lyse-Assay bestimmt, ist ein Beispiel für einen Wirksamkeitstest. Für Medikamente wie Antikörper, die zur Behandlung von Krebs eingesetzt werden und deren Wirkung durch Bindung an spezifische Zellrezeptoren infolge dessen der Zelltod induziert wird, erzielt wird, werden spezielle Zellkulturassays zum Nachweis der Wirksamkeit verwendet.

Tags: Methodenvalidierung ICH Q2(R1) Gehalt Reinheit Wirksamkeit Identifikation

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